Das erste Mal menstruieren – eine „Frauenparty“

menarche

so erlebte diese Frau den Tag an dem sie das erste mal menstruierte:

 

Ich hab die Regel am Jungscharlager gekriegt.

Meine Erinnerung an den ersten rot-braunen Strich in der Unterhose ist sehr deutlich, auch das Gefühl dazu. Ich hatte mir mehr erwartet und war überrascht, dass es so bräunlich war. „Deswegen machen so viele ein Aufsehen“, das konnte ich nicht nachvollziehen, da es wenig Flüssigkeit war und ich nur ein kleines Ziehen im Bauch spürte.

Zuerst dachte ich daran, das einfach für mich zu behalten, aber als ich es dann ca. eine halbe Stunde später meinen Freundinnen erzählt habe, hat sich herausgestellt, dass eine aus der älteren Gruppe in der Nacht zuvor die Regel gekriegt hat. Das hat uns natürlich miteinander verbunden und sie hat mir an diesem und den folgenden Tagen sehr viel über die Menstruation erzählt, weil sie schon darauf gewartet und sich viel damit beschäftigt hatte. Ich fand das sehr interessant, nach ein paar Tagen war mir das aber zu viel, weil sie immer sehr aufgeregt war dabei.

Meine Gruppenleiterin, die ich gut kannte und sehr mochte, hat mich sofort umarmt, als ich es ihr erzählt habe. An diesem Abend hat sie für mich mit den Mädchen aus meiner Gruppe eine „Frauenparty“ veranstaltet: wir durften bei ihr im Bett sitzen und Almdudler trinken, obwohl es eigentlich schon Schlafenszeit war. Als sie meinte, ich sei jetzt offiziell in den Frauenclub aufgenommen, fand ich das im ersten Moment übertrieben, nach ein paar Minuten war ich aber irgendwie stolz darauf.

Bei der Frauenparty durften wir alle Fragen stellen und meine Gruppenleiterin hat verschiedene Themen angesprochen und ich weiß noch gut, wie erstaunt ich war, dass das alles mit der Regel zu tun haben soll. Oft hat sie gemeint, dass wir da unsere eigenen Erfahrungen damit machen werden und sie gar nicht so viel dazu sagen will, weil das bei jeder Frau ja anders ist. Das hat mich sehr überrascht.

Ich war die erste aus meiner Gruppe und auch in der Schule, die dann im Herbst weiter ging. Aus meiner Klasse hat nur ein weiteres Mädchen im Sommer die Regel gekriegt, sie war aber ein Jahr älter als ich. Ich hab die Regel mit 11 Jahren und einem Monat bekommen und galt immer als früh entwickelt.

Für den Rest des Jungscharlagers war es mir wichtig, dass sie anderen, vor allem die männlichen Gruppenleiter und die älteren Burschen, das nicht erfahren. Ein Mal hat mich einer indirekt drauf angesprochen („ich müsse jetzt beim Sex verhüten, weil ich ja schwanger werden könnte“), das fand ich blöd. Aber sonst waren alle ganz normal zu mir, obwohl ich mich mit den Tagen schon anders fühlte.

Meine Mama hatte mir Binden eingepackt und wir hatten auch schon darüber gesprochen, ich war also gut vorbereitet. Aber die Binden wollte ich nicht verwenden, weil es ja so wenig Blut war und ich die Umwelt deswegen nicht verschmutzen wollte. Also hab ich es einfach in die Unterhose laufen lassen. An einem Tag hab ich eine Binde ausprobiert, aber das war unangenehm und ich wollte diese komische Oberfläche nicht an meinen Schamlippen haben. Ich dachte, ich kann die erste Frau werden, die das einfach so rausrinnen lässt. Als ich erfahren habe, dass bei den nächsten Malen mehr Blut raus kommen kann, soviel, dass auch die Hose voll wird und es an den Beinen hinunterläuft, war ich schockiert.

Am meisten fasziniert war ich von dem Geruch des Regelblutes. Heimlich hab ich an meinen Unterhosen mit dem brauen Regelstrich geschnüffelt und konnte kaum aufhören, so sehr hat mich das gebannt.

Als mich meine Eltern nach dem Lager vom Bahnhof abgeholt haben, wollte ich es eigentlich gleich meiner Mama erzählen, entschied mich dann aber doch zu warten. In der U-Bahn konnte ich aber nicht mehr anders und hab es meiner Mama ins Ohr geflüstert, der das ein bisschen peinlich war. Sie hat mich gefragt, ob ich was brauch von ihr und meine Antwort war klar: Tampons und wissen wie das geht.

(anonym)

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