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Das erste Mal angetroffen habe ich ein Buch von Gabriele Pröll in der städtischen Bücherei in Wien. Ich glaub es war 2010, wo ich die Pille abgesetzt hab und mein Körper sich gar nicht mehr auskannte und ich mich auch nicht. Ich war auf der Suche  nach Halt uns Sicherheit in mir selbst und das Buch „Meine Tage“ hat mir Worte und Sichtweisen gegeben, die ich bis dahin nicht hatte. Jetzt interessiert mich, wie Gabi zu dem Thema Menstruation gekommen ist und was sich bei ihr durch ihre Forschung verändert hat. Ich hab bei ihr nachgefragt:

 

1. Liebe Gabi, du setzt dich schon lange mit dem Thema Menstruation auseinander. Was war dein Grund damit anzufangen?

Es waren eigentlich drei Gründe
1. Ich hatte schon immer das Gefühl, meine Mutter konnte als Bäuerin nie wirklich Frau sein und so, wie sie weniger wert war als mein Vater, war auch ich als Mädchen weniger wert als z. B: mein Bruder. Ich ging mit 15 von zuhause weg, mit der Sehnsucht, zu finden, was Frau sein in Würde bedeutet
2. Viel später hatte ich als Umweltberaterin in einer Sitzung im Ministerium, bei der es ums Umweltgütesiegel ging, ein „ AHA-Erlebnis“. Ich spürte ganz tief, dass es ein Wissen gab, das mit Weiblichkeit zu tun hat und dabei eine wichtige Rolle spielt. Ich fand aber damals im naturwissenschaftlich ausgerichteten Kontext keine Worte dafür.
3. So ab dem 30 Lebensjahr hatte ich immer am Abend, bevor ich die Regel bekam, ein starkes Kribbeln beim 3. Auge, so kurz vorm Einschlafen. Ich begann zu reiben, weil ich das Gefühl hatte, da sitzt irgendwas auf meiner Stirn. So erweckte ich mein inneres Sehen mit jedem mal Reiben mehr, ohne es damals zu wissen. Dieses Kribbeln machte mich neugierig auf das Potential der Menstruation.
Also es war die Sehnsucht nach würdiger Weiblichkeit, das intuitive Wissen und das innere Sehen.

 

2. Was hat sich in der Zeit der Forschung bei dir zum Thema Menstruation verändert?

Menstruation nicht nur als etwas zu betrachten, das bestenfalls keine Probleme macht, sondern das Potential der Menstruation, das meist in Beschwerden gebunden ist, zu erfassen, zu benennen und einzusetzen (z.B.: geschärfte Sinne, hohe Sensibilität, Orientierung nach innen und Bedürfnis nach Zentrierung, Ruhe und Rückzug). Eine Gesellschaft, in der Frauen in ihren weiblichen Rhythmen und Potentialen geachtet und geschätzt werden, muss dem Thema Menstruation mehr Platz einräumen. Mädchen und Frauen hätten dann viel mehr die Möglichkeit, ihre zyklischen Fähigkeiten und Qualitäten zum Wohle aller kennenzulernen und einzusetzen. Im Rahmen des Forschungsprojektes „Die Menstruation- Wesentliches Elemente des Frauseins oder abzuschaffendes Übel?“ entstand aus den Bedürfnissen von Mädchen und Frauen z.B.: ein Maßnahmenkatalog, der diesbezüglich Handlungsfelder öffnet. Mädchen werden in der heutigen Zeit noch immer mit ihren Menstruationsbeschwerden und einem Packerl Schmerzmittel in der Handtasche allein gelassen. Es wäre zum Beispiel ein wichtiger pädagogischer Ansatz, Menstruation nicht nur am Rande im Biologieunterricht abzuhandeln, sondern den Mädchen einen Zugang zu eröffnen, der ihnen ermöglicht, einen positiven Umgang mit dem Energiepotential der Menstruation zu erlernen.

 

3. Wie erlebst du die Menstruation in unserer Gesellschaft?

Der Umgang ist sicher offener geworden, das macht sich zum Beispiel daran bemerkbar, dass das Thema auch in Film und Fernsehen immer mehr Raum bekommt und junge Mädchen selbstverständlicher drüber reden. Ich erlebe aber zurzeit eine sehr starke Polarisierung. Einerseits wird die Menstruation mittels Pille, Hormonpflaster, Spritze u.a. gerade aus der Welt geschaffen und ein Großteil der Frauen macht bereitwillig mit. Andererseits gibt es eine, deutlich kleinere, aber wachsende Bewegung, die den Zyklus und die Menstruation als wesentliche Basis des Frauseins erlebt und sich vernetzt, um sich gegenseitig auszutauschen und in ihrem natürlichen Frausein zu stärken.
Tatsache ist, dass Menstruation in der Öffentlichkeit nur im Zusammenhang mit Monatshygiene und Schmerzmittel vorkommt.
Im Zuge der Frauenbewegung wurde aus meiner Sicht der Körper nicht bzw. zu wenig berücksichtigt, Frauen orientierten sich vorrangig am Männlichen, wodurch die patriarchale Abwertung bzw. Entfremdung von weiblicher Körperlichkeit zunahm. In meiner Beratungspraxis erlebe ich ständig, wie Frauen über den Umweg von Unterleibsbeschwerden und Erkrankungen durch den Kontakt mit ihrem Körper und mithilfe innerer Bilder zu ihrer natürlichen Weiblichkeit zurückgeführt werden.

 

4. meine Aktuelle ForschungsFrage ist: „Was verbirgt sich hinter/in dem lebensspendenen Blut?“ Wie beantwortest du die Frage?

Dem Menstruationsblut werden besonders hohe Kräfte nachgesagt. Ursprüngliche Schöpfungsmythen erzählen, dass die Menschen aus Menstruationsblut geschaffen wurden. Weibliches Blut wurde noch im Mittelalter für Liebeszauber, für Schutzamulette, Fruchtbarkeitsrituale und für Heilzwecke verwendet. Frauen setzen es auch heute wieder vermehrt als besonderen Dünger für ihre Pflanzen, zum Malen ihrer ganz persönlichen Bilder und auch für Heilzwecke ein. Im Rahmen von „roten Festen“ für junge Mädchen in Schulen und privat, mache ich z.B. anhand von getrocknetem Blut, das aussieht wie „rotes Gold“, den Mädchen bewusst, dass durch das Frauenblut alle Mädchen und Frauen weltweit miteinander verbunden sind, weil wir alle bluten.

Hier ein kleiner Auszug aus meinem Buch „Das Geheimnis der Menstruation“:

 

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5. Was ist das positive am Menstruieren?

Es ist ein immer wiederkehrender, zyklischer Akt der Reinigung und Erneuerung nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf psychisch-seelischer Ebene. In dieser Zeit sind die Tore nach außen und nach innen offener und diese erhöhte Sensibilität kann für Frauen eine Orientierung bieten, immer wieder loszulassen, um ganz bei sich selbst anzukommen und alles wegfließen zu lassen, was nicht mehr passt.
Wenn Frau will, kann sie die Regel auch als Selbst-Coaching-Zeit nutzen, weil sie ihrem Selbst während der Blutung am Nächsten ist. Die Regel kann so wie „ein roter Faden“ zu sich selbst gesehen werden.

 

6. Menstruationsbeschwerden sind weit verbreitet. Gibt es für dich andere Wege außer Schmerzmittel? Wenn ja Welche?

Ja! Als Selbstheilungsberaterin begleite schon seit 20 Jahren Frauen, die bereit sind, ihre Menstruationsbeschwerden zu erkunden, verstehen zu lernen und zu verändern. So erfahre ich immer wieder Wandlungsprozesse, die Frauen in ihre weibliche Kraft und ihr Potential bringen. Beschwerden sind die eine Seite der Medaille, die uns in einem kulturell bedingten, masochistisch geprägten „Leidensbild der Frau“ gefangen halten. Diese zu wenden und sich selbst Schritt für Schritt zu befreien, führt auf die andere Seite der Medaille, zur Selbstfürsorge und Eigenmacht als lustvolle Frau.


 

 

gabriele-ProellDr. mag.phil. Gabriele Pröll forscht seit Jahren zum Thema Weiblichkeit, Zyklus und Menstruation.

Sie bietet SelbstheilungsBeratung nach der Methode Wildwuchs® an und ist Mitgründerin der Menstruationshütte.

Sie hat folgende Bücher veröffentlicht:

„DIE „GLÜCKLICHE“ GEBÄRMUTTER-Innere Bilder – selbstheilende Kraft bei Unterbauchbeschwerden.“

„DAS GEHEIMNIS DER MENSTRUATION – Kraft und Weisheit des Mondzyklus“

„MEINE TAGE – Quelle weiblicher Kraft und Intuition.“

www.pröll.info

 

 

3 Kommentare
  1. Kristina
    Kristina sagte:

    Danke für das Interview! Das Buch lese ich auch gerade, danke für den Tipp! Was ich bereits gelesen habe, finde ich sehr aufschlussreich! Ich finde die Arbeit mit jungen Mädchen besonders wichtig – aber welche Alternativen zur Pille können denn 14-jährigen Mädchen empfohlen werden? Was empfiehlst du und was empfiehlt Gabriele?

    Antworten
    • Kathrin Sieder
      Kathrin Sieder sagte:

      Liebe Kristina! meine Haltung dazu: Ich kann von klein auf immer mehr Verantwortung für mein Leben übernehmen und somit auch für mich und meinen Körper. Mir geht es um ein selbstbestimmtes am Körper orientiertes Leben. Ich lebe jetzt in diesem Körper. Deswegen bin ich klar gegen die Pille (seit der Pille erkrankt jede 7te Frau an Krebs und nicht wie davor jede 200te). Wenn ich früher wusste und erfahrene Frauen um mich gehabt hätte, die mit der natürlichen Verhütung ihr Sexualleben leben, dann hätte ich es gemacht. Denn dadurch lerne ich meinen Körper kennen, meinen Zervixschleim, meinen Muttermund, meinen Eisprung und meine Körpertemperatur. Wenn ich all dies von meinem Körper kennen, dann weiß ich wann ich Fruchtbar bin und wann nicht.

      Das ist mein Plädoye für eine natürliche Verhütung und gegen die Pille. Immer wenn Unsicherheit über die Fruchtbarkeit und/oder Krankheiten da ist ein Kondom nehmen!

      Doch essenziell dafür ist eine Begleitung von 14jährigen Frauen, denn diese Alternative ist nicht einfach so umzusetzen. Ich bin für ein Sexualleben, wenn ich als Frau in meinem erwachsenen Frauenkörper angekommen bin. Wenn ich ihn kenne und mich auf ihn verlassen kann. Eben auch Nein sagen, wenn ich nicht will oder spüren dass jetzt keine gute Zeit für Sex ist.
      Soweit einmal von mir
      herzliche Grüße
      Kathrin

      Antworten
  2. gabi
    gabi sagte:

    Ich empfehle jungen Frauen, ihren Körper, ihren Zyklus und ihr sexuelles Erwachen und Begehren in Ruhe kennen zu lernen und zu gestalten. Ich erzähle über die Vor-und Nachteile von Verhütungsmethoden, v.a. auch über den Einfluss der Pille auf den sich in der Jugend erst entwickelnden weiblichen Rhythmus. Ich sage Ihnen auch, dass es durch die Pille keine Regel mehr gibt.
    Entscheiden lasse ich die Mädchen selber. Wenn sie mich direkt fragen, empfehle ich ein Kondom. Liebe Grüße, Gabi Pröll, http://www.pröll.info

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