dasNetz: Anne Zietmann und Marcus Krahlisch – natürliche Fruchtbarkeit – NFP & Mehr

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Anne & Marcus liegt das Thema natürliche Fruchtbarkeit am Herzen. Sie haben einen Blog, machen persönliche Beratung und haben seit neuem einen Youtube Kanal. Übrigens bieten sie ab 18.10.2015 ein kostenfreies Webinar über „Hormonfreie Verhütung als Alternative zur Pille” an.

Menstruation und natürliche Fruchtbarkeit ist unzertrennlich. Deswegen hab ich bei ihnen nachgefragt:

 

1. Liebe Anne & Lieber Marcus! Wie seit ihr zu dem Thema natürliche Fruchtbarkeit gekommen und was ist das überhaupt?

Anne: Ich wollte die Pille absetzten, weil ich ein ungutes Gefühl meinem Körper gegenüber hatte und habe das dann mit Marcus besprochen. Er war einverstanden, auch wenn er damals noch nicht wusste auf was er sich da einlässt. 😉 Wir kannten uns damals erst ca. ein halbes Jahr und wir wollten zum damaligen Zeitpunkt noch kein Kind. Ich probierte dann zunächst einen Hormon-Zykluscomputer, aber war damit sehr enttäuscht, weil das Gerät ein halbes Jahr lang anzeigte, dass es meinen Eisprung nicht finden könne. Das konnte und wollte ich so nicht hinnehmen und so fragte ich meine damalige Frauenärztin, wie ich denn herausfinden könne, ob ich ein Eisprung habe. Daraufhin riet sie mir, morgens meine Körpertemperatur zu messen und gab mir als Anleitung eine Temperaturtabelle aus den 80ern! Mit dieser Anleitung bin ich nicht zurecht gekommen und habe dann selbst nochmal im Internet recherchiert. So bin ich dann auf die symptothermale Methode mit Zervixschleim in Kombination mit der Basaltemperatur gekommen. Seitdem dokumentiere ich jeden Zyklus und kann somit meine natürliche Fruchtbarkeit direkt wahrnehmen, im Zyklusblatt dokumentieren, auswerten und sehen.

Marcus: Ich war zu Beginn von den Zervixschleim-Bilder im Buch (Natürlich und sicher) etwas angeekelt und wollte erst nicht viel mehr über das Thema wissen. Aber Anne war es so wichtig und so ist es dazu gekommen, dass wir einen Kurs zum Erlernen der symptothermalen Methode zusammen mit machten, denn Anne wollte eine Beraterausbildung mit machen und die Teilnahme am Kurs war eine Vorraussetzung dafür. Ich war nach dem Kurs so überwältigt WIE toll der Kurs gestaltet war und dass ich sooo viel über den weiblichen Zyklus gelernt habe, sodass ich danach entschieden habe auch die Beraterausbildung mitzumachen. Erst nach dem Kurs habe ich eigentlich alles verstanden. Einen Bezug zu meinem eigenen Körper und männlichen Zyklus habe ich erst mit 32 Jahren in meiner theoretischen MFM Ausbildung bekommen, dort lernte ich, wie der männliche Zyklus der Spermienproduktion funktioniert. Ich war völlig überrascht darüber, dass der männliche Zyklus viel komplexer als der der Frauen ist.
Jetzt bin ich auch sehr stolz, ein Mann zu sein und möchte mein Wissen über den männlichen und weiblichen Zyklus an andere Menschen weitergeben. Hauptsächlich setze ich mich heute dafür ein, dass Männer und Frauen sich gleichberechtigt in Fragen der Verhütung behandeln…

 

2. Was hat die Menstruation mit der natürlichen Fruchtbarkeit zu tun?

Anne: Ich finde, die Menstruation ist das natürliche Fruchtbarkeitssymbol schlechthin. In einigen Kulturen auf der Erde hat beispielsweise das Menarchefest – eine Feier zu Ehren der ersten Blutung eines Mädchens – eine größere Bedeutung als eine Hochzeit. Die Menstruation ist DAS Zyklussymptom, das alle Mädchen und Frauen in ihren fruchtbaren Jahren deutlich wahrnehmen können, sofern sie ihren natürlichen Zyklus nicht durch hormonelle Verhütung überdecken. Denn dann kommt es „nur“ zu einer sogenannten Abbruchsblutung. Deshalb nehme ich die Menstruation als ein Geschenk wahr, das einer Frau anzeigt, dass sie die Fähigkeit hat, neues Leben entstehen zu lassen – das ist doch wunderbar, oder nicht?

Marcus: Ich kann Anne nur zustimmen – die Menarche ist für die Frau ein ebenso bedeutsames Ereignis wie es die Pollution für den Mann ist. Falls ich mal eine Tochter habe, möchte ich die Menarche im Familienkreis feiern. Es gibt doch nichts Schöneres als zu erkennen, dass man fruchtbar ist.

 

3. Hat sich seit eurem Beginn mit dem Thema Fruchtbarkeit euer Bezug zum Menstruationsblut verändert?

Anne: Hmm. Gute Frage, ich hatte schon von Anfang an eine sehr positive Einstellung zur Menstruation und meiner eigenen Blutung. Durch die Entdeckung meiner natürlichen Fruchtbarkeit mit samt der Zyklusbeobachtung würde ich sagen, dass sich mein Umgang hinsichtlich der Hygieneartikel stark verändert hat. Denn durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Zyklus, habe ich die freie Menstruation für mich entdeckt und verwende keine Tampons und keine herkömmlichen Wegwerfbinden mehr.

Marcus: In der Pubertät habe ich eher Ekel beim Gedanken an die Menstruation empfunden und in der Männerrunde dumme Witze darüber gemacht, was ich jetzt sehr bedauere. Ich war einfach sooo unaufklärt. Heute denke ich viel positiver und vielschichtiger über die Menstruation. Der Gedanke, das Frauen in den Wechseljahren irgendwann keine Menstruation mehr haben, macht mich traurig. Denn es heißt ja, dass sie ihren Zyklus nie mehr beobachten können. Das ist für mich damit vergleichbar, dass ein Mann keinen Samenerguss mehr bekommen kann – das möchte ich mir gar nicht vorstellen. Darüber hinaus habe ich schon von Gynäkologen gehört, dass es Frauen gibt, die nie eine Menstruation haben, da sie beispielsweise keine Gebärmutter haben. Diese Frauen weinen bei der Diagnose, denn das Ausbleiben der Menstruation bedeutet für sie, dass sie nie leibliche Kinder bekommen können. Aus Männersicht würde ich mir heute wünschen, dass die Männer die Frauen hier mit mehr Respekt behandeln. Das haben die Menstruation und die Mädchen verdient. Es muss aufhören, dass Jungen Menstruationsartikel von Mädchen aus der Schultasche klauen und dumme Witze über die Menstruation gemacht werden! Dafür müssen allerdings auch die Männer früher und besser über die Vorgänge im Körper der Frau aufgeklärt werden.

4. Wie ist denn die erste Reaktion, wenn ihr erzählt, was ihr da so macht?

Anne: Sehr unterschiedlich. Manche Frauen und auch Männer wollen sofort ALLES darüber wissen und manch andere wechseln ganz schnell das Thema. 😉

Marcus: Als Mann bin ich vorsichtig geworden. Bin ich allein in der Gesellschaft von Frauen, halte ich mich bedeckt, da ich schon oft von Frauen in Sachen Verhütung diskriminiert worden bin. Viele Frauen
haben große Angst davor, mit Männern über derart intime Dinge wie Menstruation, natürliche Fruchtbarkeit usw. zu sprechen. Bei Männern sieht es anders aus, da merke ich schon, dass eine Unterhaltung Sinn macht.
Denn Männer sind wirklich auch an meiner Sichtweise interessiert und können sich mir gegenüber leichter öffnen. Über Facebook suchen die Männer meist den Kontakt zu mir und wollen von mir Rat haben, Frauen wollen
eher den Rat von Anne. Wir leben zwar im 21. Jahrhundert, aber noch ist die natürliche Fruchtbarkeit ein Tabuthema mit klaren Rollenverteilungen, was ich mit meiner Web-Präsenz ein wenig aufbrechen möchte.

 

5. Wie erlebt ihr die Menstruation in der Gesellschaft?

Anne: Mehr oder weniger ist es meiner Meinung nach immer noch ein Tabuthema. Aber es kristallisieren sich immer mehr „Exoten“ heraus, die auch in sozialen Netzwerken über die freie Menstruation diskutieren und sich darüber sehr intensiv austauschen. In meinen Aufklärungsworkshops für Mädchen ist immer noch deutlich zu spüren, wie unangenehm es vielen Mädchen ist und dass sie am liebsten wollen, dass es niemand mitbekommt, wenn sie ihre Blutung haben. Die Frauen ab 20 Jahren, mit denen ich über das Thema (freie) Menstruation spreche, sind allerdings meistens sehr aufgeschlossen und interessiert.

Marcus: Bei Männern wird das Thema eher unter besten Freunden in einer Männerrunde diskutiert, ansonsten ist es ein TABU Thema. Top Thema ist hier ganz klar der Sex während der Menstruation. Viele Männer mit denen ich gesprochen habe, sind sehr traurig, dass sie während der Menstruation oft auf Sex verzichten müssen. Nur wenige Männer ekeln sich davor und wollen während der Menstruation keinen Sex, obwohl die Partnerin möchte. Interessant ist, dass Männer bei der Bezeichnung der Menstruation ganz eigene Namen finden, die Frauen niemals verwenden würden. Beispielsweise „Warum ist denn deine Freundin, so schlecht gelaunt? Macht sie wieder Jagd auf Roter Oktober? (Hollywoodfilm mit Sean Connery) 😉 Ich glaube nicht, dass Frauen so über Menstruation sprechen würden. Entgegen der Meinung vieler Frauen, habe ich bisher die Erfahrung gemacht, dass Männer über 30 sehr großen Respekt und Verständnis für die Menstruation aufbringen, was ich persönlich sehr schön finde.

 

6. Wie wirkt sich die natürliche Fruchtbarkeit auf MenstruatinsBeschwerden aus?

Anne: Ich kann bei dieser Frage – wie auch bei den anderen Fragen von dir – nur aus meiner persönlichen Erfahrung schreiben. Ich hatte früher sehr starke Menstruationsbeschwerden. Nach dem Absetzen der Pille und mit dem Beginn meiner natürlichen Fruchtbarkeitsentdeckung hatte ich plötzlich noch schlimmere Beschwerden. Ich fing dann mit der freien Menstruation an und es wurde dann deutlich besser. Vielleicht war es Zufall oder auch nicht? Viele Frauen haben mir aber schon berichtet, dass es sich mit Beginn der freien Menstruation verbessert hat. Nach meiner Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit, habe ich nun wirklich keinerlei Menstruationsbeschwerden mehr. Das finde ich wirklich bemerkenswert. Aber auch hier bin ich kein Einzelfall, dieses Phänomen nach einer Geburt haben mir auch schon einige Frauen erzählt. Generell kann es sich aber auch in den verschiedenen Lebensphase der Frauen wieder ändern, sowie sich die natürliche Fruchtbarkeit und der Zyklus auch in ständiger Veränderun
gen befinden.

 

vielen Dank für eure Antworten


 

natuerlichefruchtbarkeitAnne Zietmann und Marcus Krahlisch

Blog über Natürliche Familienplanung (NFP): www.trainyabrain-blog.com

Webinar: hormonfreiundsicher.com

2011 starteten sie den Blog über Natürliche Fruchtbarkeit. Darin geht es um natürliche Methoden für Kinderwunsch und Verhütung sowie das gemeinsame Erleben von natürlicher Fruchtbarkeit. Darüber hinaus schreiben sie über verwandte Themen wie Schwangerschaft, Geburt und Familie.

 


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