dasNetz: Anne Kukuczka – MenstruationsTassen for Nepal

Rubycup

 

MenstruationsTassen für Frauen in Nepal. Oh ja das will ich. Ich hab bei der Initiatorin Anne Kukuczka von „Ruby Cups for Nepal“ nachgefragt:

 

1. Was ist das Projekt Ruby Cups for Nepal?

„Ruby Cups for Nepal“ ist der Name einer Crowdfunding-Kampagne, die ich am 24. November mit drei lieben Freund*innen gestartet habe. Ziel ist es im Januar 2015 Workshops für Frauen und Mädchen in Nepal zum Thema Menstruation anzubieten, den Dialog zum Thema zu eröffnen und im Rahmen dessen Ruby Cups, also Menstruationstassen, auszuteilen sowie deren Benutzung genau zu erklären. Im Anschluss werden die Teilnehmerinnen voraussichtlich nach 2, 4 und 7 Monaten nach ihren Erfahrungen und Rückmeldungen befragt, um zu sehen, ob die Ruby Cups das subjektive Wohlbefinden positiv beeinflussen und einen Beitrag zur Verbesserung der Menstruationshygiene in Nepal leisten können und/oder ob sie dafür speziell für Nepal modifiziert werden müssen. Außerdem planen wir kleine Täschchen mit weiteren essentiellen Artikeln wie z.B. Desinfektionstabletten, einem kleinen Handtuch, einer Broschüre zur Benutzung des Ruby Cups in Nepali auszugeben.
Unser neues Fundingziel: Die Übersetzung eines indischen Comics der Organisation menstrupedia aus Hindi und Englisch in Nepali und dessen Druck und Versand nach Nepal. Damit könnten wir neben unseren 100 direkten Teilnehmerinnen eine noch viel größere Zahl von Mädchen und Frauen erreichen. Ein Comic ist eine tolle Möglichkeit über das Thema zu informieren, gerade für jüngere Mädchen. Alle Arbeit vor Ort führen wir mit einer lokalen NRO, dem Nepal Fertility Care Center durch, das fast 20 Jahre Arbeit in diesem Bereich vorweisen kann.

2. Wie bist du zum Thema Menstruation und Nepal gekommen?

Ich studiere im Master Sozial- und Kulturanthropologie in Berlin und fokussiere mich auf den Himalaja, insbesondere Nepal und Tibet, wo ich die letzten 10 Jahre immer wieder gelebt, studiert und geforscht habe. Dadurch bin ich mir darüber bewusst geworden, dass Menstruation ein Thema ist, dass oft nur unzureichend adressiert wird. Da ich seit knapp 2 Jahren selbst überzeugte Nutzerin von Menstruationstassen bin, dachte ich irgendwann, dass es Sinn machen würde zu schauen, ob diese in Nepal ebenso wie anderen Ländern, z.B. Kenia, einen hygienischen, gesunden, ökologischen und langfristig kostensparenden Beitrag zur Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens während der Menstruation leisten können. Also habe ich recherchiert und bin auf Ruby Cup gestoßen, eine Menstruationstasse, die von einem sozialen Business in Kenia hergestellt wird. Und so habe ich meinen ersten Projektpartner gefunden.

3. Wie erlebst du die Menstruatuion in Deutschland und wie in Nepal? Gibt es Unterschiede?

Ja Unterschiede gibt es sicher, auch wenn ich hier nicht verallgemeinern möchte, da es ja große demographische und soziale Unterschiede innerhalb beider Länder gibt, also beispielsweise entlang der Achsen Stadt-Land, Alter, Geschlecht, Bildung, Religion etc. Um nur ein Beispiel zur Veranschaulichung zu nennen: Mein ländlich sozialisierter unverheirateter Onkel Jahrgang 1940 erlebt und denkt über das Thema wahrscheinlich anders als ein junges Mädchen, das in Berlin aufgewachsen ist. In Nepal kommt dann z.B. noch die ethnische Vielfalt hinzu. Generell kann vielleicht gesagt werden, dass Menstruation in Nepal traditionell insbesondere in Westnepal bei hochkastigen Chhetri und Bahun für Mädchen und Frauen eine schwierige Zeit ist, die von vielen Regeln und Vorschriften bestimmt ist, die sich an Idealen von Reinheit-Unreinheit orientieren. Aber auch hier kommen andere Faktoren wie Alter, Stadt-Land etc. zur weiteren Differenzierung hinzu. Auch um herauszufinden, wie viele der Mädchen und Frauen diese Vorschriften tatsächlich als (ausschließlich) negativ empfindet, wäre es gut direkt in den jeweiligen lokalspezifischen Kontext zu schauen.
Einer der größten sichtbaren Unterschiede zwischen Deutschland und Nepal bezüglich Menstruation ist sicherlich zum einen die Möglichkeit an Informationen zu physiologischen Hintergründen von Menstruation zu gelangen, sowie zum anderen die Verfügbarkeit adäquater Menstruationsartikel. Das Binden und Tampons einfach nicht im Laden angeboten werden oder schlichtweg zu teuer sind liegt vielleicht für jemanden, der sich mit der Thematik noch nicht eingehend beschäftigt hat, nicht so deutlich auf der Hand.

4. Die Menstruation erlebe ich im Deutschsprachigen Raum als Tabu. Mutig von dir damit ein Projekt zu starten. Wie gehts dir damit?

Sehr gut! In dem Kreis von Menschen, in dem ich mich bewege habe ich keine Scheu über das Thema zu sprechen. Tabu ist ja ein sehr starkes Wort, was ich persönlich mit meinem Erfahrungshintergrund für Deutschland auch als zu stark empfinde. Aber klar, Menstruation ist kein Thema was ich in einem größeren Kreis von Arbeitskolleg*innen ansprechen würde, außer es wäre professionell mit meiner Forschung verknüpft. Insofern schwingt da sicher in vielen Kontexten ein gewisses Unwohlsein mit. Die Kampagne bietet mir deswegen auch die Möglichkeit Menschen zu erreichen und für das Thema Menstruation zu sensibilisieren, mit denen es vorher vielleicht keine gemeinsame Sprache zu dem Thema gab.

5. Mit welchen Reaktionen bist du konfrontiert durch dein Menstruations Projekt?

Unsere Kampagne läuft ja erst seit 24. November. Aber bisher kann ich sagen, dass die Reaktionen durchweg positiv und begeistert waren, länder- generationen- und genderübergreifend. Wir bekommen viele ermutigende und positive Rückmeldungen von Menschen, die es schön und toll finden, dass wir das Projekt in Nepal umsetzen können. Sogar mein Opa hat mir eine Email zurückgeschrieben und gesagt, dass er sich das mit den Menstruationstassen erst gar nicht vorstellen konnte und erstmal bei Wikipedia nachgeguckt hat. Jetzt ist er mein größter Fan und freut sich, dass ich mich so einem „ungewöhnlichen“ und gleichzeitig wichtigen Thema verschrieben habe.

6. Ich hab gesehen dass binnen weniger Tage du das Geld zusammen bekommen hast. Dies zeigt mir dass dies ein wichtiger Beitrag für die Welt ist. Hast du schon Ideen wie sich das Projekt weiter entwickeln kann? Was ist dein größtes Ziel dabei?

Ja, unser erstes Minimalziel haben wir in weniger als 72 Stunden erreicht. Das war eine riesige und schöne Überraschung. Wir machen natürlich weiter, unser nächstes Ziel ist die Übersetzung eines indischen Comics von Hindi/Englisch in Nepali, um neben den Workshopteilnehmerinnen noch viel mehr Mädchen erreichen zu können und um NRO und Schulbibliotheken, aber auch Eltern ein gutes Werkzeug, um Menstruation thematisieren zu können, an die Hand zu geben.
Mittelfristig möchte ich gern herausfinden, ob und in welchem Rahmen Menstruationstassen eine Alternative für Mädchen und Frauen in Nepal sind bzw. ob/wie sie modifiziert werden könnten, um es zukünftig zu werden. Ja und wenn sich die Antworten auf diese Fragen als positiv bzw. machbar herausstellen, dann würde ich mich langfristig natürlich wahnsinnig freuen, wenn ich an Möglichkeiten Menstruationstassen im größeren Stil nach Nepal zu bringen und an der Entwicklung von geeigneten Bildungsmaterialien etc. mitwirken könnte.

 

mehr INFOS:

https://www.indiegogo.com/projects/ruby-cups-for-nepal

http://www.ruby-cup.com/de/

http://www.menstrupedia.com/

 

und hier noch das Video:

 

TitelFoto © ruby-cup.com
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