dasNetz: Bettina Steinbrugger & Annemarie Harant – erdbeerwoche.com – nachhaltige Frauenhygiene

erdbeerwoche

Kennengelernt hab ich die erdbeerwoche GesbR auf einer Toilette in einem Lokal 2012. Da lag ein Flyer wo draufstand „Wie Bio ist dein Tampon?“ (so in meiner Erinnerung). Ich hab mir gedacht – ja super das sich da Frauen engagieren. Nun hab ich nachgefragt was denn hinter dem Unternehmen steckt und wie es ihnen mit dem Thema Menstruation in unserer Gesellschaft geht:

 

1. Wofür steht Erdbeerwoche? Wieso Erdbeere?

Nennen wir es beim Namen. Aber wie eigentlich? Es gibt so viele davon, alle klingen irgendwie komisch und langweilig: Periode, Regel, Tage, Menstruation… Bei unserer Recherche nach den unzähligen Synonymen zur Monatsblutung sind wir auch auf den in Deutschland gebräuchlichen, aber in Österreich weitestgehend unbekannten Terminus „Erdbeerwoche“ gestoßen. Das gefiel uns!
Es verleiht dieser mysteriösen namenlosen Sache einen humorvollen Touch und genau das wollten wir erreichen: Wir möchten Frauen mit Humor und Fakten über das Thema Nachhaltige Frauenhygiene aufklären! Seit über 60 Jahren sind Tampons auf dem Markt und Menstruation ist nicht nur durch die Marketingmaßnahmen dieser Produkte immer noch ein Tabu wie im Mittelalter. Wenn ihr die unzähligen Werbungen auch schon immer albern fandet – dann seid ihr bei der erdbeerwoche genau richtig!

Frauen sollen ihre Menstruation nicht mehr als ein lästiges, unvermeidbares, allmonatlich auftretendes Übel sehen. Sondern hey: diese „Sache“ ist ein Teil von uns und macht uns schließlich zur Frau! Und sie verleiht uns mit den zahlreichen Produkten, die wir jeden Monat für unsere Periode einkaufen viel Macht und ein enormes konsumtechnisches Potential.

 

2. Wie seit ihr zum Thema Menstruation und Frauenhygiene gekommen?

Eigentlich mehr zufällig stießen wir vor knapp 5 Jahren auf die Meldung eines Biotampon-Herstellers, der über die Problematik konventioneller Tampons und Binden aufklärte. Dass diese Meldung unser Leben verändern und uns zu Unternehmerinnen machen sollte, hätten wir zum damaligen Zeitpunkt noch nicht gedacht. Als intensive Recherchen ergaben, dass es vom Bio-Apfel bis zum Bio-T-Shirt schon in fast jedem Bereich eine nachhaltige Alternative gibt, außer im Frauenhygienebereich, war uns schnell klar: irgendjemand muss diese Nische füllen – die erdbeerwoche war geboren. Wir setzen auf hohe Produktstandards und testen alle unsere Produkte selbst. Das ist unser Versprechen gegenüber unseren Kundinnen.

In unserer Recherche und Gesprächen mit ExpertInnen sind wir dann auch darauf gekommen, dass bereits in Testergebnissen (z.B. Ökotest) Weichmacher in Slipeinlagen oder Dioxinrückstände in Tampons gefunden wurden. Frauen sollen das unserer Meinung wissen und sich über Alternativen informieren können.

Mehr Infos zum Thema Schadstoffe in Tampons und Binden: http://www.erdbeerwoche.com/meinkoerper/inhaltsstoffe.html

Alle Informationen zu Menstruationskappen in unserer neuesten Broschüre:

http://www.erdbeerwoche.com/images/stories/erdbeerwoche.at/Downloads/menstruationskappen_broschuere_final_screen.pdf

 

3. Wie erlebt ihr die Menstruation in Österreich?

Ganz klar – Menstruation ist in Österreich nach wie vor ein Tabuthema über das auch erwachsene Frauen in den meisten Fällen nur hinter vorgehaltener Hand sprechen. Auch wenn die Regel gegenüber anderen Ländern kein gesamtgesellschaftliches Problem darstellt (in Ländern Afrikas verlieren Frauen z.B. bis zu 5 Jahre an Schulbildung, da Sie aufgrund fehlender Hygieneprodukte nicht in die Schule gehen können), heißt das nicht, dass es gar keine Probleme gibt. Mit dem eigenen Körper im Reinen sein ist für jede Frau wichtig! Abgesehen davon ist die Müllproblematik konventioneller Produkte auch den meisten Frauen hierzulande nicht bewusst! Nachhaltige Frauenhygiene und die Auseinandersetzung mit der Thematik führt übrigens zu einer positiveren Einstellung zur eigenen „erdbeerwoche“. Das haben uns 90% der befragten Frauen in unserer Umfrage von April 2014 bestätigt.

 

4. Die Menstruation erlebe ich als Tabu. Mutig von euch in dem Bereich ein Unternehmen zu gründen. Wie gehts euch damit?

Am Anfang mussten wir uns natürlich auch daran gewöhnen, dass unsere persönlichen Regel-Bedürfnisse nun in der Öffentlichkeit stehen, aber wir sehen uns hier in einer Vorbildfunktion. Es sollte sich keine Frau dafür schämen die Regel zu haben. Es geht hier immerhin um die Hälfte der Weltbevölkerung!

Durch die Bewusstseinsarbeit der erdbeerwoche sollen Frauen auch die Macht erkennen, die sie als Konsumentinnen von jährlich mehr als 45 Milliarden Hygieneprodukten haben. Mit dem Kauf von nachhaltigen Hygieneprodukten können Frauen einen entscheidenden Einfluss auf ihre Gesundheit und auf das ökologische Gleichgewicht der Erde nehmen. Die erdbeerwoche setzt dabei auf einen ganzheitlichen Ansatz. Wir möchten in unserem Webshop www.erdbeerwoche-shop.com nicht irgendwelche Produkte verkaufen – wir bringen unseren Kundinnen auf positive und humorvolle Weise unsere Mission einer Revolution der Frauenhygiene näher und jede Frau kann als Botschafterin der erdbeerwoche ein Teil davon sein. Wir helfen Frauen dabei, selbstbewusst über ihre Regel zu sprechen und schaffen gleichzeitig das Bewusstsein über die gesundheitlichen und ökologischen Vorteile nachhaltiger Frauenhygiene-Produkte.

 

5. Mit welchen Reaktionen seit ihr konfrontiert durch euer „Menstruations-Unternehmen“? 

In den letzten 4 Jahren ist uns eigentlich schon so gut wie alles passiert: Von ungläubigem Augenrollen, verschreckten Blicken bis hin zu begeisterten Frauen (und Männern!), die die Mission der erdbeerwoche sofort unterstützen wollten und ihrem gesamten Bekanntenkreis von uns erzählt haben. Was wir aber auch immer wieder erfahren sind wirkliche gesundheitliche Probleme von Frauen, die sich seit langem mit Pilzinfektionen oder Allergien herumschlagen und so froh sind mit Menstruationstassen, Biotampons, -binden oder -slipeinlagen endlich natürliche Produkte gefunden zu haben. Produkte aus Biobaumwolle verursachen z.B. keine Reizungen der Haut und sind gänzlich ohne gefährliche Schadstoffe oder Plastik. Wir haben in unsere Umfrage von April 2014 auch herausgefunden, dass bei 40% unserer Kundinnen Probleme wie Hautreizungen oder Pilzinfektionen zurückgegangen sind. Wir bekommen gerade per Mail so viele positive Rückmeldungen von Frauen, so dass wir gar nicht anders können als unsere Mission von Nachhaltiger Frauenhygiene weiter in die Welt hinauszutragen.

 

6. Bei euch besteht die Möglichkeit „Botschafterin“ zu werden. Was bedeutet das?

Wer unsere Mission Nachhaltiger Frauenhygiene unterstützen will hat verschiedene Möglichkeiten:

  • Redet mit euren FreundInnen über eure Regel!
  • Macht Frauen in eurem Bekanntenkreis auf die Probleme konventioneller Frauenhygiene-Produkte aufmerksam (1 Frau verbraucht in ihrem Leben ca. 10.000-17.000 Tampons bzw. Binden) und erzählt von umweltschonenden Alternativen wie der Menstruationstasse.
  • Erzählt eurer Frauenärztin bzw. eurem Frauenarzt von der erdbeerwoche und nachhaltigen Frauenhygiene-Produkten (auch hier besteht noch viel Aufklärungsbedarf)
  • Werde erdbeerwoche-Botschafterin: Schreibt uns an info@erdbeerwoche.com, wenn ihr Informationsmaterial erhalten und auflegen möchtet oder macht mit bei unserer Botschafterinnen-Aktion und erhaltet kostenlose Produkte.

http://www.erdbeerwoche.com/erdbeerwoche/werde-botschafterin.html

 

und hier noch ein Video von ihnen:

Vielen Dank!

 

Über die Gesellschafterinnen der erdbeerwoche:

 


Bettina Steinbrugger, geboren 1984 in Klagenfurt, studierte nach ihrer Matura am BRG Klagenfurt-Viktring Romanistik an der Karl-Franzens- Universität-Graz. Nach diversen Auslandsaufenthalten in Frankreich, Tunesien und Kolumbien begann sie sich schon während des Studiums intensiv mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ auseinander zu setzen und initiierte als Projektleiterin bei der internationalen Studierendenorganisation AIESEC ein Projekt in Graz zum Thema „Faire Kleidung“. Seit 2007 arbeitet Bettina Steinbrugger bei einer Unternehmensplattform für Corporate Social Responsibility (CSR) und Nachhaltige Entwicklung und gründete 2011 gemeinsam mit Annemarie Harant die „erdbeerwoche“.

Annemarie Harant, geboren 1984 in München, studierte nach ihrem Abitur am Karlsgymnasium Bad Reichenhall Internationale Entwicklung und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Wien. Nach diversen Praktika im Bereich Fairer Handel und Nachhaltigkeit arbeitet sie seit 2010 bei einer Unternehmensberatung im Bereich Nachhaltigkeit und gründete 2011 gemeinsam mit Bettina Steinbrugger die „erdbeerwoche“.

 

Foto © von oben nach unten:

© erdbeerwoche

© vincent sufiyan

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