Schamgefühl & Beschämt werden

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Ein entscheidender Wendepunkt in den letzten Tagen war ein Text über die Scham aus dem Buch: „Das ABC der Gefühle.“ von Udo Baer & Gabriele Frick-Baer.

In nur zwei Seiten war mein Bild von der Scham ein anderes. Das Gefühl der Scham und des Beschämt sein fühlen sich sehr ähnlich an. Die Scham ist jedoch ein Schutzmechanismus für die Intimität. Das Beschämt sein löst die Peinlichkeit aus.

Ich hab mir in der Jugend gesagt, dass ich das Wort Peinlich nicht verwenden will und ein Ziel von mir ist, dass ich mir nicht peinlich sein muss. Das Beschämt werden löst bei mir Peinlichkeit aus. Es ist ein klein werden, ein mich in mich zurück ziehen, stumm werden.

Wenn ich die Scham wie im Buch zu mir nehme, dann kann ich groß sein, zu mir stehen und mich zeigen so wie ich bin. Lassen wir nun die Scham sprechen:

„Beliebt bin ich leider nicht, man schämt sich sogar meiner. Dabei bin ich, die Scham, so normal wie die meisten anderen Gefühle und viel nützlicher als gewisse Nichtsnutze. Ich passe nämlich auf die Menschen auf, vor allem auf das Intime, das Innere, Vertraute, Verborgene, ganz Persönliche und Kostbare, auf ihren intimen Raum. Denn es ist für die Menschen wichtig, zu unterscheiden, wem sie ihre Intimität zeigen. Wenn sie sich in ihrer Intimität offenbaren, bewusst oder auch schon mal unabsichtlich, dann trete ich auf. Wie eine Warnsirene. Damit sie aufpassen! Dafür bin ich da – klingt doch gut, oder? […]

Am meisten schuldig an meinem schlechten Ruf ist meine Doppelgängerin: die Beschämung. Während ich als natürliche Scham auf die Menschen aufpasse, macht die Beschämung die Menschen fertig. Sie werden ausgelacht, beleidigt, gedemütigt, verachtet […] Wer Fehler macht oder irgendwie anders ist als die »Norm«, muss schnell Beschämung erdulden, wird vorgeführt und fertig gemacht. Das tut weh. Peinlichkeit ist eine Pein.

Das Dumme ist nur, dass sich die Beschämung genauso oder zumindest ähnlich wie ich, die Scham, anfühlt. Deswegen ist sie meine Doppelgängerin und die meisten Menschen können uns nicht auseinanderhalten. Erst wenn sie uns unterscheiden, können sie daran gehen, sich der Beschämung zu erwehren und sie an die Absender/innen zurückzuschicken. Erst dann lernen sie, mich zu schätzen.[…]“ (aus: Das ABC der Gefühle.“ von Udo Baer & Gabriele Frick-Baer)

 

ich bin mir nicht mehr sicher ob es nicht gut sein kann, dass ich Schamlippen, Schambein und einen Schambereich habe.

Foto: © [By emily9] at FreeDigitalPhotos.net

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