Wegbegleitung: über Krafttiere und andere innere HelferInnenwesen

Wege zum Sein – Tiefenökologie und Selbsterfahrung
Praxisgruppe im Sommersemester 2013

Wann: Samstag, 15. Juni 2013 ,  10:00 – 18:00

Wo: Seminarraum der Ökosiedlung  Gänserndorf-Süd, 2230 Strasshof an der Nordbahn

Seminarbeitrag nach Selbsteinschätzung (Richtwert € 50,- bis 90,-)

Kathrin Kathrin Sieder
Andreas Schelakovsky Andreas Schelakovsky

Begleitung:

Was ist Tiefenökologie?

Der landläufige („flache“) Umweltschutz beschränkt sich darauf, Missstände zu beseitigen und die Symptome ökologischer Verschlechterung deshalb zu beheben, damit Menschen funktionierende Verhältnisse vorfinden. Im Gegensatz dazu sieht die Tiefenökologie die Wurzeln für den Mangel an Nachhaltigkeit in unserer Gesellschaft in einer anthropozentrischen Weltanschauung, die entsprechend der Ansicht „Krone der Schöpfung“ zu sein, den Menschen als über die Natur stehend betrachtet. Viele Organisationen – darunter auch Umweltschutzorganisationen – agieren demzufolge derart, als ob der Planet „uns“ gehören würde und wir damit machen könnten, was wir wollen. Moderne Technik und Managementmethoden bestärken uns in unserem Gefühl, der Natur überlegen zu sein.

Die Tiefenökologie versteht sich hingegen als eine Haltung für politische Aktion Wissenschaft, Bildungskonzept und Lebensform, die auf der wechselseitigen Bedingtheit und Verbundenheit allen Lebens auf der Erde beruht.

In der Tiefenökologie wird die Erde entsprechend der Überlieferung von Stammeskulturen als ein lebendiger Organismus betrachtet, ein Bild, das in der Gaia Theorie der Naturwissenschafter_innen James Lovelock und Lynn Margulies seinen wissenschaftlichen Abdruck findet. Entgegen dem Reduktionismus in der kartesischen Weltsicht, nach der die Erde eine für uns nutzbare Maschine sein soll, wird der Planet in holistischer (ganzheitlicher) Betrachtung ein lebender Organismus (living being), „der seine eigene Entwicklung im Universum Augenblick für Augenblick selbst gestaltet“ (Stephen Harding).

Vor allem das menschliche Tun veranlasst den Organismus der Erde laufend auszugleichen, um im Gleichgewicht zu bleiben. Würde beispielsweise der Anteil von Sauerstoff in der Atmosphäre unter 20 Prozent sinken, würden wir und viele Arten ersticken. Würde der Anteil um einige Prozentpunkte steigen, würde ein Funken genügen, um den gesamten Erdball in ein flammendes Inferno zu verwandeln. Diese Ausgleichsfähigkeit war eine der wesentlichen Begründungen für die Gaia-Theorie.

Grundlegend in der Tiefenökologie ist: Das Leben auf der Erde ist miteinander verbunden und voneinander abhängig, jedem Lebewesen kommt sein nicht in Geld verwandelbarer Eigenwert zu (Stephen Harding). Aus egalitärer Sicht wird allem Leben auf diesem Planeten Beachtung geschenkt, es gelten „Menschenrechte“ für alle Lebewesen, die natürlichen Lebensrechte werden auf die gesamte Natur ausgedehnt (Theodor Roszak). Als geistiger Vater gilt der norwegische Philosoph Arne Naess, der davon ausging, dass die Art, wie sehr wir mit der Natur verbunden sind, bedeutet, dass wir Natur nicht zerstören können, ohne uns selbst dabei zu zerstören.

Gemeinsam mit gesetzlichen Regelungen und verbesserten Nachhaltigkeitsstrategien werden von TiefenökologInnen ein mäßiger Umgang mit den Ressourcen wie auch ein
verändertes Bewusstsein und Verhalten gegenüber der Welt gefordert und durch entsprechende Bildungsmethoden umgesetzt (siehe dazu weiter unten). Dies verlangt vor allem eine neue Definition von Wohlstand und geistig-seelischer Gesundheit. Entscheidend in diesem Zusammenhang ist die Veränderung der ökonomischen Ausrichtung der industriellen Wachstumsgesellschaft, die der Menschheit wie der Natur das Gebot auferlegt hat, alles Leben der Ökonomie unterzuordnen. Es soll darüber Bewusstsein geschaffen werden, dass wir durch das Bestreben, aus Ressourcen handelbare Waren zu erzeugen, unsere Lebensgrundlagen veräußern und zerstören.

Eine wesentliche Grundlage der Tiefenökologie bildet die holistische Wissenschaft, zu der die Systemtheorie zählt. Letztere bringt zum Ausdruck, dass es sich beim Ganzen – seien es Zellen, Körper, Ökosysteme oder die Erde selbst – um dynamisch organisierte und aufs Feinste abgestimmte und ausgewogene Systeme handelt, die wechselseitig abhängig sind in Bezug auf jede Bewegung, jede Funktion, jeden Austausch von Energie und Information (Joanna Macy/ Molly Young Brown).

Im Rahmen der tiefenökologischen Seminare wird die Methode „Arbeit, die wieder verbindet“ angewandt, die von der Systemtheoretikerin Joanna Macy (University of California in Berkeley), Molly Young Brown und anderen auf der Grundlage von Bräuchen und Überlieferungen der Stammeskulturen des amerikanischen Kontinents, buddhistischer Traditionen wie auch psychotherapeutischer Praktiken entwickelt und zusammen getragen wurde.

Wie Einstein sagte: Wir können unsere ökologischen und sozialen Probleme nicht durch dieselben Denkmuster lösen, durch die sie entstanden sind. Dies gilt im Besonderen für alle Belange der Nachhaltigkeit. Daher bedarf es eines Bewusstwerdungsprozesses, durch den wir Menschen die Zerstörung von Leben auf diesem Planeten nicht nur rational begreifen, sondern wieder fühlen lernen. Wenn wir diesen Gefühlen auf den Grund gehen, werden wir frei neue Perspektiven zu entwickeln und durch konkrete Handlungsschritte zur Lebenserhaltung in der Welt beizutragen. Dies ist die Zielsetzung tiefenökologischer Betrachtungsweise.

Quelle: http://tiefenoekologie.at

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